//bitte warten…

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Es ist schön zu sehen, dass sich in Bonn einiges verändert dieser Tage. Vorsichtige Annäherung an ernsthafte Radinfrastruktur am Belderberg, Befreiung der Innenstadt vom sogenannten „City-Ring“, bald dann Umgestaltung der Oxfordstraße und später dann auch der B9 – da tut sich was!

Auch das Rheinufer kann eigentlich nur an Attraktivität gewinnen. 

Es geht hier nicht um die Sorgen der Veränderungsunwilligen, sondern darum, die Stadt endlich vom Verkehrschaos zu befreien. Und da führt nichts an der unbequemen Wahrheit vorbei, dass es schlicht zu viele private PKW in der Innenstadt gibt, denen längst nicht mehr nur mit optimierten Ampelschaltungen und Verkehrslenkung beigekommen werden kann. Irgendwann muss das Problem bei der Wurzel gepackt werden. Das geht nur über Einschränkung der Verkehrsfläche für motorisierte Fahrzeuge – das hat der aktuelle Rat verstanden und geht es mutig an.

„Hardware“ fürs Rheinufer – Farbe allein ist schließlich keine Infrastruktur

Wenn man sich dann aber anschaut, wie das in dieser Woche zwischen Rosental und Zweiter Fährgasse umgesetzt wurde, kommt man ins Grübeln. Und zwar ist das Problem nicht die „Blockade des Autoverkehrs“, wie inzwischen sogar schon die SPD beklagt – wohl in einem leichten Anflug von Angst vor der eigenen Courage kurz vor der Landtagswahl.

Der Punkt ist, dass mit starker Radinfrastruktur eigentlich eine attraktive Alternative zur innerstädtischen Autofahrt geschaffen werden soll. Dieses Vorhaben hat das Tiefbauamt aber mal bestmöglich versemmelt und im Ergebnis das Rheinufer für alle Verkehrsarten unattraktiv gemacht, weil die jetzige Radverkehrsführung maximal unintuitiv ist. 

Von Norden kommend, zwängt man sich zunächst wie gehabt zwischen Doppelreihen parkender Autos entlang, um kurz darauf eine riesige Asphaltfläche ohne jegliche Markierungen zur Verfügung zu haben. Pluspunkt: Das Fritz-Schröder-Ufer ist hier bereits abgepollert worden. 

(Noch) alles wie gehabt

Ab Josefstraße soll die Radelnden dann eine Radspur ohne Piktogram auf der linken(!) Seite „einfangen“, während der Süd-Nord-Verkehr auf dem Hochbord bleibt, der zu allem Überfluss immernoch als Zweirichtungsweg markiert ist. Das einsame Schild „Fahrrad frei“ am Mast macht die Verwirrung komplett. Kein Wunder, dass zahlreiche Radfahrer:innen zwischen den Wegen hin- und her-mäandern. 

Hier dann bitte nach links einfädeln
Hä? Was?

Und damit es auch ganz bestimmt nicht langweilig wird, möge sich der Radverkehr auf dem Brassertufer später doch bitte wieder ganz rechts einfügen, weil hier in umgekehrter Richtung für den Autoverkehr Einbahnstraße ist. Am südlichen Ende der neuen Führung wechseln wir wieder nach links auf den Rheinuferradweg und müssen den entgegenkommenden Autoverkehr durchlassen. Wir wechseln also innerhalb von 1,5 Kilometern dreimal die Spur. Radverkehrsführung aus der Hölle.

Bleibt noch, dass sämtliche Abzweigungen (Wachsbleiche, Theaterstraße, Hatschiergasse, usw.) wegen der unklaren Verkehrsführung und fehlender Markierungen Gefahrenpunkte sind. Auch die Problemstelle am Zebrastreifen „Alter Zoll“ wurde nicht entschärft.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Tiefbauamt der Politik hier entweder nicht zugehört hat, oder die Akzeptanz der Verkehrswende torpedieren will. Wie gut, dass alles nur ein Provisorium ist, bis die Neugestaltung des gesamten Uferbereichs angegangen wird. Hoffentlich bald.

2 Antworten

  1. Gerhard L.

    das finde ich schon ziemlich „spektakulär“ und sieht derzeit noch „Herumdoktorei“ aus. Irritiert bin ich jedoch von dem Tempo 50-Schild südlich Josefstraße vor der Kennedybrücke, vgl. Bild „Hier bitte nach links einfädeln“……liebe Leute „es wird alles gut“…..

  2. Christine Jost

    Das ist mein (früher täglicher) Weg zur Arbeit. Wer sich diesen Blödsinn ausgedacht hat, fährt vermutlich wenig mit dem Rad und wahrscheinlich eher auch nicht im Alltag und in unserer Stadt. Ich hoffe sehr, dass die Wegführung nochmal überdacht wird und nicht bleibt bis das Rheinufer neu gestaltet wird…

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