//fahrradklimakrise

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Regelmäßig befragt der ADFC Radfahrende nach ihrer Zufriedenheit im Rahmen seines „Fahrradklimatests“. Spoiler: Große Fortschritte sind da eher eine Seltenheit – was in den vergangenen Jahren unter Anderem zu einer Lawine von „Radentscheiden“ in vielen Städten geführt hat. Wie ihr wisst, war das auch in Bonn der Fall. Hier also noch einmal eine letzte Bestandsaufnahme der Fahrradinfrastruktur in Bonn vor der Umsetzung des Radentscheides:

Erwartungsgemäß stellt der ADFC Bonn-Rhein Sieg, bzw. die Nutzer:innen, den Radverkehrsanlagen in der Fahrrad-Bundeshauptstadt eine ziemlich schlechtes Zeugnis aus: In Schulnoten ausgedrückt eine 4,2. Das ist so knapp vor Hausarrest-und-ohne-Nachtisch-ins-Bett.

Hauptkritik: Falschparker:innen, zu schmale und schlechte Radwege, fehlende Umleitungen

Besonders schlecht bewertet wurde, was wohl die meisten von uns jeden Tag spüren: So gut wie keine Durchsetzung von Halte- und Parkverboten auf Geh- und Radwegen und die absolut hundsmiserable Führung des Radverkehrs an Baustellen. Im Zweifelsfall wird Radfahren dort schlicht verboten (siehe z.B. Bundeskanzlerplatz). Aber auch die regulären „Radwege“ in Bonn verdienen ihren Namen oft nicht. 

Da tröstet auch nicht, dass viele der umliegenden Gemeinden ähnlich schlecht dran sind: Bad Honnef, Königswinter, Rheinbach sind alle ebenfalls stark versetzungsgefährdet. Das es auch besser geht, zeigt sich am Beispiel Meckenheim – die Nachbarkommune belegt im bundesweiten Ranking Platz zwei (in NRW sogar Platz 1) mit einem Notenschnitt von 2,65. Prima -gibt’n Sternchen im Hausaufgabenheft!

Ein beschlossener Radentscheid ist kein Selbstläufer!

In Bonn stehen wir jetzt vor der Situation, dass wir zwar einen amtlich verbrieften „Radentscheid“ haben, aber noch lange nichts umgesetzt ist. Aus dem Konzept „Fahrradhauptstadt 2020“ ist ja bekanntlich auch nichts geworden. Das Ziel, den sogenannten „Modal-Split“, also den Anteil der Radfahrenden am Gesamtverkehrsaufkommen auf 25% zu steigern, ist krachend gescheitert. Wir daddeln bei 12% rum. Schulverweis quasi.

Wann, wenn nicht jetzt?

Die Rahmenbedingungen sind denkbar gut: Ein radfreundlicher Stadtrat, eine Oberbürgermeisterin, die die Verkehrswende ganz oben auf ihre Agenda gesetzt hat und eine starke und engagierte Rad-Community! Aber entscheidend ist, dass der gesellschaftliche Wille und die politischen Beschüsse in der Verwaltung umgesetzt werden. 

Wir müssen aufmerksam bleiben und – sobald die Pandemie es wieder zulässt – den Druck der CM aufrechterhalten – und auch den letzten Petrolheads klarmachen, dass Fahrradverkehr nicht nur privates Freizeitvergnügen ist, sondern unsere Stadt für alle lebenswerter und zukunftsfähiger macht. Wenn wir dann wieder rollen, ist so ein ganz kleines bißchen „Radentscheid nachfeiern“ natürlich auch erlaubt. 

//Tobi

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